Vom Schwarzwald über die Alpen und zurück




Tag 08 Von Trento nach Feltre

Nach einem dreistündigen Sturzregend am Abend zuvor, war am nächsten Tag, ein Sonntag, wieder die Sonne da, als ob es nie anders gewesen wäre. Die Luft war sehr klar und es hatte Morgens schon ca. 25°. Nun bestand die große Aufgabe, aus Trento herauszukommen, da die Tourenbeschreibung im bikeline-Radführer für ein ganzes Stück die Bahn verwendete, das merkte ich spätestens, als ich der Strecke mit dem Rad nachfahren wollte. Somit plante ich meine Tour selbst mit dem Navi, das angegebene Zwischenziel war Castello Tesino, durch welches auch die Via Claudia Augusta verlief. Die Strecke führte aus dem Etschtal heraus und es ging bei teilweise 32-35° ständig bergauf. Somit neigten sich auch meine Wasservorräte bald zu ende und ich winkte mit meiner leeren Wasserflasche ein paar Italiener am Straßenrand zu. Mein Anliegen war sofort erkannt und es gab erst einmal einen Aperitif zur Stärkung voraus, dann eine Einladung zum Essen, welche ich dankend ablehnte und dann eine mit kaltem Wasser gefüllt Trinkflasche.

Weiter ging es dann bis nach Castello Tesino, welches auf ca. 900 Metern liegt (Ausgangspunkt Trento ca. 200 Meter). Dort machte ich erst einmal eine lange Mittagspause und regenerierte von den Strapazen der sommerlichen Hitze.

Wer hier noch nicht genug der Höhenmeter hinter sich hatte, kann dann weiter noch einmal ca. 900hm dem traditionellen Verlauf der Via Claudia Augusta über Croce d'Aune folgen.

Alternativ habe ich mir von meinem Navi einen Weg berechnen lassen, der nicht ganz so anstrengend war, da mir 1850 hm für diesen Tag in Summe genug war:-)

Es gibt auch noch eine bequeme und sehr flache Route durch das Brentatal, für Radfahrer, die die Höhenmeter scheuen, ich habe somit die goldene Mitte gewählt.

Von Castello Tesino führte meine Route dann fast stetig bergab bis nach Feltre, eine ehemalige  Industriestadt, welche die besten Jahre schon hinter sich hat.

Dafür fand ich eine sehr schöne Bierbar, in der es verschiedene Bierspezialitäten vom Fass gab. Der nette Inhaber führte mich dann noch persönlich zu einer sehr guten Pizzeria, wo auch Einheimische essen gehen, Ai Paonazzi, Pizzeria Creativa, ein Geheimtipp!

Hier gibt es ein Abendessen bestehend aus einem Krug Wein mit Wasser, einem großen Salatteller und einer riesigen Holzofenpizza um ca. 15 Euro!

Dann ging es in mein Hotel Doriguzzi, auch von mir als Geisterhotel bezeichnet, da in diesem riesigen Hotel nur ca. 5 bis 10 Zimmer belegt waren, ansonsten war dort nachts Totenstille und Dunkelheit und kein Personal.

 

Tourdaten

Länge: 87 km

Höhenmeter: 1850 hm

Tourtyp: Tagesetappe

Gps Track zum download:



Impressionen Tag 08

Vom Etschtal geht es wieder in die Höhe

Der Lago di Levico nach verlassen von Trento

Die empfehlenswerte und kultige Bierbar in der Largo Panfilo Castaldi gegenüber der Apotheke!

Die Pizzeria Pao Nazzi, ein Geheimtipp!

und mein riesiges Abendmahl dort


Tag 09 Von Feltre nach Cortina D'Ampezzo

Nach einer Nacht im Geisterhotel (ab und dann hörte ich Nachts auch irgend welche komische Geräusche auf dem Zimmer) gab es dann im Keller in einem kleinen Saal Frühstück für die wenige Gäste, Personal war auch wieder anwesend:-)

Von Feltre ging es dann Richtung Belluno, teilweise auf Landstraßen oder auf Radwegen (Teilweise waren hier auch neue Radwege gebaut oder in Bau), von wo aus dann der überaus schöne Dolomitenradweg betreten wurde. Dieser war im Piavetal überwiegend komplett neu ausgebaut und ein Traum für jeden Radfahrer.

In einem kleinen Ort suchte ich nach einer Gaststätte für das Mittagessen und ein netter Einheimischer aus einem kleinen Dorfladen erklärte mir mit Händen und Füßen, wo es mangiare molto grande und molto bene im Nachbarort gibt und der Tipp war Gold wert.

Lediglich die Serpentinenstrecke bei Peralo die Cadore musste ich auf der viel befahrenen Landstraße hochfahren und so mancher schwere LKW überholte mich knapp, rechts von mir ging es in die Tiefe, ein unangenehmes Gefühl.

Aber am Pieve di Cadore führt dann der Radweg über eine stillgelegte ehemalige Bahnstrecke einer Schmalspurbahn. Dementsprechend  sind die Steigungen sehr gering und sehr konstant.

Das Ziel für den Tag war Cortina D'Ampezzo, ein ehemaliger Austragungsort der olympischen Winterspiele. Leider ist von diesem Glanz der damaligen Tage schon einiges verblasst und viel Hotels waren geschlossen, da keine Hauptsaison (Winter oder Sommer)war, manche Pensionen gab es nicht mehr und es fing an zu regnen und wurde kalt.

Glücklicherweise fand ich dann im Hotel Ancora schnell ein Zimmer, ein Hotel in dem die Zeit stehen geblieben ist und im Empfang und beim Frühstück noch klassische Musik gespielt wird und die Besitzerin persönlich unter den Gästen zum Frühstück verweilt.

 

Tourdaten

Länge: 109 km

Höhenmeter: 2230 hm

Tourtyp: Tagesetappe

Gps Track zum download



Impressionen Tag 09

Hier beginnt der Dolomitenradweg

und im Tal fließt der Piave

Zum Mittag gab es eine riesige und leckere Pizza aus dem Holzofen die ca. 7 Euro kostete!

Der neu ausgebaute Dolomitenradweg entlang der Piave

Stellenweise musste man sich aber auch gerade an Engstellen die viel befahrene Landstraße mit dem Verkehr teilen.

Diese kleinen Freunde huschten eine sehr oft über den Weg:-)

Und die Gipfel der Dolomiten wurden immer beeindruckender

Hier führt der Dolomitenradweg dann über die stillgelegte Eisenbahnstrecke

und geht auch über so manche Brücke oder führt durch einige Tunnels

Dann beginnt es zu regnen!

eine ehemalige Bahnstation

Und eine Zweite. Irgendwie hatten alle ehemalige Bahnstationen (ca. 20 Stück) alle etwas mystisches und verwunschenes an sich. Diese erinnerte mich an das Dornröschenschloss! 

Die ehemalige Sprungschanze von den olympischen Winterspielen 1956 in Cortina D'Ampezzo

meine Unterkunft für die Nacht

Blick von meinem Balkon

Die nostalgische Einrichtung des Hotels


Tag 10 Von Cortina d'Ampezzo nach Sterzing

Der 10-te Tag meiner Tour war landschaftlich mit einer der Höhepunkte der Tour (neben der Tour am Tag 05 über den Fernpass)und führte über viele schöne Radwege durch die Dolomiten.

Zuerst ging es der weiter entlang der ehemaligen Bahnlinie weiter stetig bergauf, bis zum Pass Cimabanche auf 1530 metern. Dieser befindet sich auch mitten im schönen Naturpark der Dolomiten. Von hier aus ging es dann wieder stetig bergab ins Rienztal nach Toblach, von hier aus wird der Rienz nach Bruneck gefolgt.

Ab Bruneck wurde das Wetter an diesem Tag schlechter und es fing an zu Regnen. Das war auch das erst mal auf dieser Tour, dass ich meine Regenkleidung brauchte, zumindest die Jacke.

Ich folgte der Rienz bis Franzensfeste, eine ehemalige Verteidigungsanlage an einem damals strategisch wichtigen Ort. Inzwischen ist dort alles verlassen und wirkt trostlos und grau, kein schöner Ort zu verweilen, zumal hier noch viel Verkehr, bedingt durch die Brennerautobahn, durch das Tal strömt und Lärm verursacht.

Daher beschloss ich trotz schlechtem Wetter ein Stück weiter zu fahren und folgte der Eisack in Richtung Brennerpass.

In dem historisch bekannten Städtchen Sterzing  fand ich dann eine  Unterkunft in einem italienischen Gasthof, dem Hubertushof, nichts überdurchschnittliches bezüglich Preis, Leistung und Service, aber für den Abend war ich froh, bei dem schlechten Wetter ein Dach über dem Kopf zu haben!

Abends habe ich mir dann noch die historische Altstadt von Sterzing angeschaut, bevor es dann zum letzten mal Pizza auf dieser Tour gab:-)

Tourdaten

Länge: 114 km

Höhenmeter: 1614 hm

Tourtyp: Tagesetappe

Gps Track zum download:



Impressionen Tag 10

weiter ging es auf der alten Bahnlinie

Der Enzian blüht am Wegrand

Wieder einmal einer von vielen Tunnels im Felsen

Der Pass Cimabanche wird überquert

Der Dolomiten Naturpark

Der Toblacher See

Der Pustertalradweg entlang der Rienz. Hier wurde das Wetter schlechter und es fing zu regnen an.

Nach Franzensfeste sah der Radweg bedingt durch Erdrutsche auch mal so aus


Tag 11 Von Sterzing nach Wiesing

Am Vortag war ich schon ein paar Kilometer von Franzensfeste bis nach Sterzing in Richtung Brenner gefahren. Daher war das Tagesziel am für den heutigen Tag die Überquerung des Brennerpass. Allerdings merkte ich auch langsam die gesamten Strapazen der Tour in den Knochen, zumal ich mir am Vortag im Regen unbemerkt eine leichte Unterkühlung zugezogen hatte, die ich dafür am heutigen Tag um so mehr merkte.

Glücklicherweise steigt der Radweg auf italienischer Seite zum Brenner ganz gemächlich und der Radweg ist hervorragend ausgebaut. So kam ich am frühen Morgen gut voran und stand noch vor dem Mittag oben am Pass. Leider hatte mich mein Navigationsgerät zum jetzigen Zeitpunkt voll ganz verlassen und ich musste mich so orientieren. Glücklicherweise fand ich dann nach dem Brennerpass in Steinach am Brenner einen  Computerladen, der mir mit Hilfe eines PC's mein Navi wieder funktionsfähig machte. Das war auch der Punkt der Tour, an dem ich beschloss, für die Zukunft ein anderes Navigationsgerät ohne Kinderkrankheiten zu kaufen.

Fast endlos ging es dann weiter neben der Brennerautobahn ins Inntal nach Insbruck. Hier machte ich kurz Mittagspause und dann ging es bei Gegenwind der Inn entlang Richtung Deutschland.

Hier merkte ich dann auch, dass mein Kräfte voll aufgezehrt waren, als ich mit normaler Geschwindigkeit den Tagesradtouristen folgen konnte; die enormen Kraftreserven am Anfang der Tour ließen mich sogar Rennradfahrern auf der Ebene folgen:-)

Abends fand ich dann in Wiesing (liegt gegenüber an der Mündung des Zillertals ins Inntal) eine absolut nicht empfehlenswerte Unterkunft, das Hotel Sonnenhof in Wiesing, die mir leider noch von der sehr netten Touristeninformation vermittelt wurde!

Schon bei Ankunft sah ich, wie der Wirt Discounterware, vom Orangennektar bis zum Fertigkuchen in Massen aus dem Kofferraum auslud.

Als ich mir ein schönes frisch gezapftes Weizenbier bei Ankunft bestellen wollte, gab es lediglich Öttinger Flaschenbier zum Preis von 3 Euro!!!

Das Abendmenü aus 4 Gängen setzte sich aus einer Tütensuppe mit Einlage, einem Salatteller bestehend aus 80% Konservengemüse, einem Hauptgang bestehend aus einem innen kalten Saitenwürstchen mit Käse und Speck gefüllt (sollte ein Berner Würstchen sein) als Beilage Backofenfrittes und zum Nachtisch gewürfelte Obstkonserven, zusammen.

Die Zimmer waren sehr veraltet und ich einem nicht tollen Zustand, das Personal waren junge osteuropäische Mädchen, die kaum deutsch sprachen und hier wahrscheinlich für wenig Geld den Laden aufrecht erhalten mussten. Und die Übernachtung ohne Abendessen kostete ca. 45 Euro!

Wer Bilder des Zustandes der Zimmer sehen und über weitere negative Erfahrungen lesen möchte, kann dies auf

https://www.tripadvisor.de/Hotel_Review-g2251706-d2452495-Reviews-Hotel_Sonnhof-Wiesing_Tirol_Austrian_Alps.html 

Vorsicht, daher das zu unrecht bezeichnete Hotel Sonnenhof in Wiesing meiden, wenn nicht unbedingt ein Dach über dem Kopf von Nöten ist.

Tourdaten

Länge: 95 km

Höhenmeter: 1014 hm

Tourtyp: Tagesetappe

Gps Track zum download:



Impressionen Tag 11

der gut ausgebaute Radweg auf italienischer Seite zum Brennerpass

Die Form der Berge hat sich wieder stark verändert im Gegensatz zu denen der Dolomiten, die eine sehr eigene markante Form haben.

Der Radweg am Brennerpass, rechts davon die alte Brennerstraße und die neue Brennerautobahn

Der Brennerpass ist geschafft! Ab jetzt geht es wieder bergab

Innsbruck liegt vor mir

Die Inn ist zu dieser Jahreszeit durch die Schneeschmelze mit viel Wasser gefüllt


Tag 12 Von Wiesing nach Bad Tölz

Nachdem ich am Vortag schon der Inn entlang gemerkt habe, dass meine Kräfte durch die Tour aufgezehrt waren und ich wieder eine Regenerationspause benötigte beschloss ich bis nach Bad Tölz zu fahren und von dort aus mit der Bahn wieder nach Hause zu fahren. Eine Alternative mit dem Rad wäre der Bodensee-Königssee-Radweg gewesen, da ich allerdings diesen im letzten Jahr schon gefahren bin reichte dieser nicht aus, mich zu einer Heimfahrt mit dem Rad zu motivieren:-)

Somit sieg ich Morgens in Wiesing auf das Rad und es ging die letzten Höhenmeter aufwärts zum Achensee, das waren auch noch mal ca. 400 hm aufwärts am Stück.

Oben angelangt fuhr ich dann um den See herum und nach einem weiteren kurzen Streckenabschnitt landete ich im Isartal. De Isar fließ direkt durch Bad Tölz und somit war die restliche Strecke vorbestimmt, immer der Isar entlang!

Bald erreichte ich die deutsche Grenze und es war kurz vor Mittag. Da in den Ortschaften vor Bad Tölz keine geeignete Möglichkeit für ein schönes Abschlussessen der Radreise gegeben war, fuhr ich voll bis Bad Tölz durch.

Dort beendete ich meine Tour in der Fußgängerzone in einem für Touristen bestimmten Brauereigasthof bei einem traditionell bayrischen Spezialitätenteller und einem schönen dunklen Weizenbier.

Nach dieser Stärkung machte ich mich zum Bahnhof auf und konnte mit Freuden feststellen, dass es noch eine Zugverbindung mit der Regionalbahn nach Schopfloch am selbigen Tag gab und es dafür ein Sparticket der Bayernbahn um ca. 30 Euro gab.

Somit hatte ich eine Stunde Wartezeit, bis es dann von Bad Tölz nach München, Ulm, Stuttgart und dann Schopfloch weiterging.

Um ca. 21 Uhr bin ich dann in Schopfloch nach dieser schönen Radreise wieder gesund angekommen (nachdem ich während der Tour 4 Stürze von Radfahrern mitbekommen habe, die mehr oder weniger glimpflich ausgegangen sind!)

Tourdaten

Länge: 63 km

Höhenmeter: 973 hm

Tourtyp: Halbtagesetappe und Rückreise mit Bahn

Gps Track zum download:



Impressionen Tag 12

Die mit einer Dampflokomotive betriebene Zahnradbahn am Achensee 

Der Achensee am frühen Morgen

Die Isar wird überquert

Der Isarradweg in schöner Natur

eine Orchidee am Wegrand

Geschafft! Nach 1400km in 11,5 Tagen beende ich meine Tour in Bad Tölz!


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